Weblog Simpleblog kostenlos selbermachen!


Studentenleben

25.11.2006 - Vortrag

Computerspiele – was Lehrer und Eltern wissen sollten
Vortrag für die Initiative „Eltern machen mit".
Donnerstag 23.11. im Lessing Gymnasium Uelzen


Die Initiative „Eltern machen mit“ hatte mich eingeladen, über die Faszination von Computerspielen zu reden. Besonders wollten sie erfahren, wie Eltern gute Spiele für ihre Kinder auswählen und ungeeignete Spiele von ihnen fernhalten können.

Durch die wieder aufkommende Killerspieldebatte,sah ich mich aber gezwungen auch auf diese Punkte einzugehen.

Zuerst verteilte ich Anschauungsmaterial an die Zuhörer: die Spielzeitschriften The Edge, PC Games, PC Action und Play, die USK-Broschüre „Kleine Genrekunde" und Kopien der beiden Zeit-Artikel und des „Rohrkrepierer" Artikels von Spiegelonline. Weiteres Material wurde ausgelegt.

Die Anwesenden waren Lehrer und Eltern sowie ein Schüler, insgesamt etwa 50 Personen. Die wenigsten von ihnen hatten Spielerfahrung, die meisten hatten spielende Kinder und fast alle waren dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen lediglich zwei Zuhörer stellten sich als „harte Computerspielgegner" heraus.

Mein Vortrag bestand aus drei Teilen: als erstes allgemeines zu Computer- und Videospielen, welche „Spielgeräte" es gibt, und was die Vor- und Nachteile sind, aber eben auch eine kurze Bemerkung zu „Killerspielen"; zum zweiten habe ich Spiele in unterschiedlichen Genres und für unterschiedliche Altersklassen vorgestellt, um einen Überblick über die Bandbreite zu geben und um zu zeigen was gerade populär ist. Die Spiele waren: ProEvolution Soccer, Fifa 2007, Rayman Raving Rabbids, Lego Star Wars, Medieval, Canis Canem Edit, Call of Duty 3 und Rainbow Six Vegas.
Anhand dieser Spiele habe ich auch diskutiert welche Kriterien es für die verschiedenen Alteresfreigaben gibt. Ich habe die USK vorgestellt und bin auf die technischen Möglichkeiten zum Jugendschutz eingegangen, z.B. Nutzerprofile mit Altersvorgabe auf den aktuellen Spielkonsolen. Dann habe ich Möglichkeiten für Eltern sich im Internet zu informieren aufgezeigt und angeregt die Spiele, die im Kinderzimmer statt finden selbst zu testen oder zumindest Artikel in Zeitschriften über die Spiele zu lesen und auch die Weihnachtswünsche anhand von Spielezeitschriften auf ihre Eignung und Qualität zu prüfen. Dabei bin ich auf unterschiedlichen Zeitschriften eingegangen, insbesondere auf the Edge, GEE, Gamestar und PC Games.

Da ich mit heftigen Reaktionen rechnete, habe ich das Publikum aufgefordert Einwände und Fragen jeweils zum Ende eines Punktes zu formulieren. Dennoch wurde der Vortrag immer wieder unterbrochen und es kam zu regen Diskussionen. Nach einer Pause habe ich vorgeschlagen entweder noch einige Szenen aus den vorgestellten Spielen zu zeigen oder in eine allgemeine Diskussion einzusteigen, die Veranstalter und das Publikum haben sich für die Diskussion entschieden.

Die wichtigsten Diskussionspunkte die während und nach dem Vortrags aufkamen:

Heftig wurde die Unterscheidung zwischen gewalthaltig und Gewalt verherrlichenden Spielen diskutiert. Der Konsens zu diesem Thema war, dass es dich hierbei um einen sehr schmalen Grad handelt, auf dem sich auch der sonntäglichen Tatort bewegt.
Einige Väter waren der Meinung, dass die starke Beteiligung des Spielers immer zu einer Gewaltverherrlichung führt, da der Spieler selbst am Abzug ist.
Interessant ist für mich die Frage, warum Gewalt im überwiegenden Teil der Spiele die einzige Lösung ist. Ich hab anhand der Titelliste in der letzten PC Games mal geschaut und tatsächlich ist Gewalt oft die einzige oder zumindest eine sehr erfolgsversprechende Lösung.

Dass Computerspiele nicht Ursache eines Amoklaufes sind war allen Beteiligten klar und musste kaum diskutiert werden.

Stark diskutiert wurde der Zeitverlust durch Spiele, auch Eltern die Spiele generell positiv sehen beklagen den Zeitverlust. Ich habe deutlich betont, dass dies auch immer ein Kriterium bei der Spielauswahl sein muss und ich z.B. WoW nicht als kindgerecht
empfinde, da es einen großen Zeiteinsatz, im Gegensatz zu Spielen wie Animal Crossing, benötigt und belohnt.
Leider findet man zu diesem Punkt sehr wenig Orientierungshilfen.
Gefährlich sind hier auch die Browser-Spiele, z.B. Fußballmanager bei denen auch diejenigen gewinnen, die am meisten Zeit investieren.

Das gemeinsame Spielen vor einem Bildschirm, auf LAN-Partys oder online wurde diskutiert. Die meisten Eltern waren von LAN-Partys genervt, haben sie aber nicht abgelehnt. Onlinespiele wurden als unkommunikativ abgelehnt, da Kommunikation am Bildschirm nicht als „richtige" Kommunikation empfunden wurde.
Spiele die zu mehreren an einem Gerät spielbar sind haben also für Eltern ein deutliches Plus.

Immer wieder wurde das Kino, der Tatort und Bücher zum Vergleich herangezogen. Vorallem das sinnliche Erlebnis im Kino und beim Lesen wurde betont, dem habe ich heftig widersprochen und auf die sinnlichen Erlebnisse meiner Kindheit mit Keksen, Cola und SNES verwiesen.
Hier gab es eine interessante Diskussion, ob Computerspiele eines Tages genauso starke Charakterzeichungen und Charakterentwicklungen aufweisen würden wie Film und Literatur. Ich habe darauf verwiesen, dass manche Rollenspiele schon Ähnlichkeiten zu Bildungsromanen aufweisen. Ein Vater frage, ob es nicht dann umso gefährlicher würde, denn was sei, wenn man sich in die virtuellen Charaktere verlieben würde.

Frau Prof. Dr. Garbe - die im Publikum anwesend war - hat in einem längeren Kommentar auf die Parallelen der „Lesewut-Debatte" der „Schmutz und Schund-Debatte" und der „Killerspiel-Debatte" verwiesen.
In der Pause meinten einige Eltern, es sei mit den Spielen: „wie mit dem Rock n' Roll früher".

Die Sucht durch den Kick und die schnelle Belohnung die Computerspiele geben wurde kritisiert, stieß aber vor allem auf Neugierde, was denn die genaue Faszination beim Spielen ausmacht.

Als letzter Punkt wurde noch der Einsatz von Spielen in der Schule debattiert, dies wurde von einigen Lehrern vehement abgelehnt. Hier kam das Argument, man müsse den Kindern auch Bereiche im Leben lassen, die von den Erwachsenen nicht eingenommen sind, allerdings wurde dem auch heftig widersprochen.

Meine Aufforderung selbst Spiele auszuprobieren kam sehr unterschiedlich an, empört wurde auf den Vorschlag auch mal einen First-Person-Shooter zu testen reagiert. Aber in Bezug auf andere Spiele hat vielen mein Argument, dass man das Spielerleben nicht durch bloßes Zusehen nachvollziehen kann eingeleuchtet. Insofern hoffe ich, dass an diesem Wochenende einige Eltern vor den PCs und Konsolen ihrer Kinder sitzen.

Vielleicht wäre es für Sony, Nintendo, Microsoft, EA, Ubisoft und Co ganz klug eine Art Computerspiel-Mobil auszustatten um tatsächlich die Eltern mal spielen zu lassen, aber eben auch um auf Jugendschutz hinzuweisen. Wer dann die erste Konsole herausbringt, an der man eine maximale Wochenspielzeit einstellen kann, wird die Herzen der Eltern gewinnen. Erstaunlich für mich war, dass sehr viele Eltern die Alterskennzeichnung gar nicht wahrnehmen.
Insgesamt war die Resonanz sehr positiv, mir wurde gesagt, ich hätte eine große Begeisterung für die Welt der Computerspiele vermitteln können und viele Punkte zum Nachlesen, Nachdenken und Nachspielen angebracht.

Schreibe einen Kommentar

4.12.2006 - Florians Vortrag zu Computerspielen

Geschrieben von Anonymous
Florian, Ich würde auch als nicht-Deutschlehrerin mehr Kommata setzen. ansonsten liest sich das sehr gut und ich habe es an meine Supervisionsgruppe weiter geleitet. An Elisabeth hatte ich schon die Rohfassung geschickt.
Gruß!
Irmgard
Artikel-Link

8.1.2007 - Untitled Comment

Geschrieben von Anonymous
Gut gemacht!
Artikel-Link

<- Letzte Seite :: Nächste Seite ->

Autor

Betrachtungen über das Studentenleben, Filme, Computerspiele und andere Dinge.

Letzte Beiträge

Der Roman des Jahres
TEDI II
TEDI brennt
Wii Ware

Links

Startseite
Profil
Archiv
Blog als RSS-Feed
Nikes Blog
Stephies Blog






Firefox 2

Creative Commons-Lizenzvertrag
Creative Commons-Lizenzvertrag
Diese Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Besucher: von autoren-gedichte.de




hosted by simpleblog.org // powered by IDGV GmbH
Machen Sie Ihren Blog bekannt: Bloggerei.de - Das Blogverzeichnis