25.11.2006 - Vortrag
Computerspiele
– was Lehrer und Eltern wissen sollten
Die Initiative „Eltern machen mit“
hatte mich eingeladen, über die Faszination von Computerspielen
zu reden. Besonders wollten sie erfahren, wie Eltern gute Spiele für
ihre Kinder auswählen und ungeeignete Spiele von ihnen
fernhalten können.
Durch die
wieder aufkommende Killerspieldebatte,sah ich mich aber gezwungen
auch auf diese Punkte einzugehen.
Zuerst verteilte ich
Anschauungsmaterial an die Zuhörer: die Spielzeitschriften The
Edge, PC Games, PC Action und Play, die USK-Broschüre „Kleine
Genrekunde" und Kopien der beiden Zeit-Artikel
und des „Rohrkrepierer"
Artikels von Spiegelonline. Weiteres Material wurde
ausgelegt.
Die Anwesenden waren Lehrer und Eltern sowie ein
Schüler, insgesamt etwa 50 Personen. Die wenigsten von ihnen
hatten Spielerfahrung, die meisten hatten spielende Kinder und fast
alle waren dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen lediglich
zwei Zuhörer stellten sich als „harte Computerspielgegner"
heraus.
Mein Vortrag bestand aus drei Teilen: als erstes
allgemeines zu Computer- und Videospielen, welche „Spielgeräte"
es gibt, und was die Vor- und Nachteile sind, aber eben auch eine
kurze Bemerkung zu „Killerspielen"; zum zweiten habe ich
Spiele in unterschiedlichen Genres und für unterschiedliche
Altersklassen vorgestellt, um einen Überblick über die
Bandbreite zu geben und um zu zeigen was gerade populär ist. Die
Spiele waren: ProEvolution Soccer, Fifa 2007, Rayman Raving Rabbids,
Lego Star Wars, Medieval, Canis Canem Edit, Call of Duty 3 und
Rainbow Six Vegas. Anhand dieser Spiele habe ich auch diskutiert
welche Kriterien es für die verschiedenen Alteresfreigaben gibt.
Ich habe die USK vorgestellt und bin auf die technischen
Möglichkeiten zum Jugendschutz eingegangen, z.B. Nutzerprofile
mit Altersvorgabe auf den aktuellen Spielkonsolen. Dann habe ich
Möglichkeiten für Eltern sich im Internet zu informieren
aufgezeigt und angeregt die Spiele, die im Kinderzimmer statt finden
selbst zu testen oder zumindest Artikel in Zeitschriften über
die Spiele zu lesen und auch die Weihnachtswünsche anhand von
Spielezeitschriften auf ihre Eignung und Qualität zu prüfen.
Dabei bin ich auf unterschiedlichen Zeitschriften eingegangen,
insbesondere auf the Edge, GEE, Gamestar und PC Games.
Da ich
mit heftigen Reaktionen rechnete, habe ich das Publikum aufgefordert
Einwände und Fragen jeweils zum Ende eines Punktes zu
formulieren. Dennoch wurde der Vortrag immer wieder unterbrochen und
es kam zu regen Diskussionen. Nach einer Pause habe ich vorgeschlagen
entweder noch einige Szenen aus den vorgestellten Spielen zu zeigen
oder in eine allgemeine Diskussion einzusteigen, die Veranstalter und
das Publikum haben sich für die Diskussion entschieden.
Die
wichtigsten Diskussionspunkte die während und nach dem Vortrags
aufkamen:
Heftig wurde die Unterscheidung zwischen
gewalthaltig und Gewalt verherrlichenden Spielen diskutiert. Der
Konsens zu diesem Thema war, dass es dich hierbei um einen sehr
schmalen Grad handelt, auf dem sich auch der sonntäglichen
Tatort bewegt. Einige Väter waren der Meinung, dass die
starke Beteiligung des Spielers immer zu einer Gewaltverherrlichung
führt, da der Spieler selbst am Abzug ist. Interessant ist
für mich die Frage, warum Gewalt im überwiegenden Teil der
Spiele die einzige Lösung ist. Ich hab anhand der Titelliste in
der letzten PC Games mal geschaut und tatsächlich ist Gewalt oft
die einzige oder zumindest eine sehr erfolgsversprechende
Lösung.
Dass Computerspiele nicht Ursache eines
Amoklaufes sind war allen Beteiligten klar und musste kaum diskutiert
werden.
Stark diskutiert wurde der Zeitverlust durch Spiele,
auch Eltern die Spiele generell positiv sehen beklagen den
Zeitverlust. Ich habe deutlich betont, dass dies auch immer ein
Kriterium bei der Spielauswahl sein muss und ich z.B. WoW nicht als
kindgerecht empfinde, da es einen großen Zeiteinsatz, im
Gegensatz zu Spielen wie Animal Crossing, benötigt und
belohnt. Leider findet man zu diesem Punkt sehr wenig
Orientierungshilfen. Gefährlich sind hier auch die
Browser-Spiele, z.B. Fußballmanager bei denen auch diejenigen
gewinnen, die am meisten Zeit investieren.
Das gemeinsame
Spielen vor einem Bildschirm, auf LAN-Partys oder online wurde
diskutiert. Die meisten Eltern waren von LAN-Partys genervt, haben
sie aber nicht abgelehnt. Onlinespiele wurden als unkommunikativ
abgelehnt, da Kommunikation am Bildschirm nicht als „richtige"
Kommunikation empfunden wurde. Spiele die zu mehreren an einem
Gerät spielbar sind haben also für Eltern ein deutliches
Plus.
Immer wieder wurde das Kino, der Tatort und Bücher
zum Vergleich herangezogen. Vorallem das sinnliche Erlebnis im Kino
und beim Lesen wurde betont, dem habe ich heftig widersprochen und
auf die sinnlichen Erlebnisse meiner Kindheit mit Keksen, Cola und
SNES verwiesen. Hier gab es eine interessante Diskussion, ob
Computerspiele eines Tages genauso starke Charakterzeichungen und
Charakterentwicklungen aufweisen würden wie Film und Literatur.
Ich habe darauf verwiesen, dass manche Rollenspiele schon
Ähnlichkeiten zu Bildungsromanen aufweisen. Ein Vater frage, ob
es nicht dann umso gefährlicher würde, denn was sei, wenn
man sich in die virtuellen Charaktere verlieben würde.
Frau
Prof. Dr. Garbe - die im Publikum anwesend war - hat in einem
längeren Kommentar auf die Parallelen der „Lesewut-Debatte"
der „Schmutz und Schund-Debatte" und der „Killerspiel-Debatte"
verwiesen. In der Pause meinten einige Eltern, es sei mit den
Spielen: „wie mit dem Rock n' Roll früher".
Die
Sucht durch den Kick und die schnelle Belohnung die Computerspiele
geben wurde kritisiert, stieß aber vor allem auf Neugierde, was
denn die genaue Faszination beim Spielen ausmacht.
Als letzter
Punkt wurde noch der Einsatz von Spielen in der Schule debattiert,
dies wurde von einigen Lehrern vehement abgelehnt. Hier kam das
Argument, man müsse den Kindern auch Bereiche im Leben lassen,
die von den Erwachsenen nicht eingenommen sind, allerdings wurde dem
auch heftig widersprochen.
Meine Aufforderung selbst Spiele
auszuprobieren kam sehr unterschiedlich an, empört wurde auf den
Vorschlag auch mal einen First-Person-Shooter zu testen reagiert.
Aber in Bezug auf andere Spiele hat vielen mein Argument, dass man
das Spielerleben nicht durch bloßes Zusehen nachvollziehen kann
eingeleuchtet. Insofern hoffe ich, dass an diesem Wochenende einige
Eltern vor den PCs und Konsolen ihrer Kinder sitzen.
Vielleicht
wäre es für Sony, Nintendo, Microsoft, EA, Ubisoft und Co
ganz klug eine Art Computerspiel-Mobil auszustatten um tatsächlich
die Eltern mal spielen zu lassen, aber eben auch um auf Jugendschutz
hinzuweisen. Wer dann die erste Konsole herausbringt, an der man eine
maximale Wochenspielzeit einstellen kann, wird die Herzen der Eltern
gewinnen. Erstaunlich für mich war, dass sehr viele Eltern die
Alterskennzeichnung gar nicht wahrnehmen. Insgesamt war die
Resonanz sehr positiv, mir wurde gesagt, ich hätte eine große
Begeisterung für die Welt der Computerspiele vermitteln können
und viele Punkte zum Nachlesen, Nachdenken und Nachspielen
angebracht.
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