17.8.2005 - Wahlkampf bildet!
In Wahlkampfzeiten eignet sich ein
Weblog besonders gut zur Beobachtung politischer Parteien.
Der kleine Link auf der rechten Seite
verweist zwar auf einen Grünen Sommer, aber das ist kein Grund
auch mal die Programme anderer Parteien auf die Punkte die mich
persönlich interessieren abzuklopfen. Die einen versprechen
„Eines für alle“, die nächsten wollen „Deutschlands
Chancen nutzen, andere „Vertrauen in Deutschland“ während
wieder andere meinen „Arbeit hat Vorfahrt!“ oder gar „Für
eine neue soziale Idee“ plädieren.
Reichlich bunt also was die Fünf
im Bundestag vertretenen Parteien uns so versprechen.
Mich persönlich betrifft vor allem
die Bildungspolitik, daher gehe ich nur auf diese ein; fangen
wir an von links nach rechts:
Die Linke. PDS
Von sechs Abschnitten bekommt die
Bildung zwar einen eigenen, dennoch den zugleich beinahe kürzesten,
lediglich die Umwelt darf noch weniger Platz beanspruchen.
„Hochwertige Bildung für alle“ verspricht die PDS und
begründet in einem achtzeiligen Absatz, warum denn Bildung
überhaupt „zur entscheidenden Ressource“ geworden ist. Dann
folgen drei Überschriften mit dazu gehörigen Forderungen
und teilweise Begründungen. Im ersten Abschnitt wird eine
Gemeinschaftsschule bis zur 10. Klasse, Ganztagsschulen, Kitas und
Vorschulen für alle verlangt. Eine Ausbildungsplatz-Garantie mit
einer Strafe für nicht ausbildende Betriebe wird angekündigt,
sowie die Gebührenfreiheit von Schule und Universität.
Mitbestimmung und Autonomie der
Hochschulen sind die Kernpunkte für die akademische Bildung.
Der Zweite Abschnitt spricht sich für
einheitliche Bildungsstandarts in ganz Deutschland und mehr Geld vom
Bund aus. Dan folgt ein Satz zur Künstlersozialversicherung, die
passte wohl in keinen anderen Programmpunkt und findet bei der
Bildung Unterschlupf.
Im dritten Teil geht es noch einmal um
die Kleinsten: Kitas für alle und mehr Kindergeld und
frühzeitige Förderung mit Bildungsangeboten schon im
Kindergarten.
Bündnis 90 / Die Grünen
„Die neue Bildungspolitik“ nimmt
immerhin satte 11 Seiten ein, damit sind die Grünen (bei
gleichen Programm-Abmessungen wie CDU, FDP und PDS) quantitativ
führend!
Auch hier wird zunächst allgemein
gesprochen und die Wichtigkeit der Bildungspolitik herausgestellt.
Dann folgen neun Bildungs- und Familienpolitische Punkte.
Es fängt mit der Kita an, auch bei
den Grünen soll diese schon Bildungsaufgaben übernehmen,
allerdings soll diese nur ein Jahr lang – das Jahr vor der Schule –
für alle Kinder kostenlos angeboten werden. Das dreigliedrige
Schulsystem und der Beamtenstatus für Lehrer und
Hochschullehrer (!)sollen abgeschafft werden, Erzieherinnen sollen
nicht mehr ausgebildet sondern auf „Fachhochschulniveau“ gebracht
werden.
Eine Ausbildungsplatzumlage sowie
Weiterbildung für Ältere und besondere Angebote für
Migranten gehören zu den weiteren Forderungen.
Um Bildung für den Einzelnen zu
ermöglichen sollen Bildungskredite und ein verbessertes Bafög
dafür sorgen, dass mehr Menschen (vor allem Frauen) besser
ausgebildet werden, insbesondere wünschen die Grünen sich
jeden „an die Hochschule […], wer das Zeug dazu hat, unabhängig
vom Geldbeutel der Eltern.“
Die Hochschule sollen sich die
künftigen Studenten selbst aussuchen sollen, allerdings auch
umgekehrt und dort angekommen wird ihnen Mitbestimmung ermöglicht,
allerdings in verschlankten Gremien.
Im dritten Punkt beteuern die Grünen,
dass sie nicht technikfeindlich sind und untermauern dies mit
Forderungen nach höheren Forschungsausgaben. Allerdings räumen
sie einen extra Punkt für „Ethische Maßstäbe in der
Forschung“ ein.
Im nächsten Punkt wird auf das
Jugendstrafrecht (was hat das hier zu suchen?) und ein Wahlalter ab
16 eingegangen.
Dann geht es wieder um die Kinder und
einen „Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr“
die Betreuung wird aber nicht den Pädagogen allein überlassen,
sondern es sollen auch „Sozialarbeiter, Musiker, Sportler,
Ernährungsberater, Künstler oder Handwerker in die
schulischen Angebote einbezogen werden“.
Zuletzt geht es noch um dicke Kinder,
mehr Spielplätze und ein paar allgemeine Worte zu Familien.
SPD
Leider ist der SPD das
Inhaltsverzeichnis noch nicht bekannt, daher muss man sich durch das
Zeitungsähnliche „Wahlmanifest“ zunächst durchwühlen,
bis man auf Seite 13 einige Punkte zur Bildung findet.
(Der Punkt Ausbildung ist in die
Arbeitsmarktpolitik gerutscht)
„Bildung ist der Schlüssel zur
gesellschaftlichen Teilhabe“ formuliert die SPD und ist wie schon
PDS und Grüne der Meinung, dass die frühkindliche Bildung
dabei am allerwichtigsten sei. Erzieherinnen werden zwar weiterhin
ausgebildet, aber hier soll irgendwas verbessert werden – was und
wie bleibt offen. Spracherwerb-Förderung und ein
Ganztagsschulprogramm sollen die Chancengleichheit bringen insgesamt
bleibt es hier aber beim Eigenlob für bereits bereitgestellte
Mittel. Auf große Versprechen für die Zukunft wird
verzichtet. Auch den Hochschulen blüht nichts Neues von Seiten
der SPD, hier wird bewährtes Bewahrt: so die Gebührenfreiheit
des Erststudiums und das Bafög. Einzig „qualifizierten […]
ohne Abitur“ soll zusätzlich der Weg in die Unis geöffnet
werden.
Insgesamt ein kurzes Programm, das sich
jedoch ohne große Mühen und Kosten umsetzen ließe,
wenn da nicht die Länder ganz andere Pläne hätten,
aber das gilt bei Bildungspolitik im Bundestags-Wahlkampf wohl für
alle Parteien.
FDP
Auch die FDP räumt „Bildung und
Innovation“ einen eigenen Punkt im Inhaltsverzeichnis ein.
Auf ganzen sieben Seiten plädieren
die blau-gelben für: „ein hervorragendes Bildungswesen von der
frühkindlichen Bildung über Schulen, berufliche Bildung und
Hochschulen bis zur Erwachsenenbildung und zum lebenslangem Lernen“.
Bildungseinrichtungen sollen durch
„mehr Autonomie“ und „Eigenverantwortung“ verbessert werden.
Generell ist „Autonomie“ die Antwort auf fast alle Fragen für
die FDP.
Als einzige Partei fordern sie
allerdings die „Vermittlung von Medienkompetenz“, wollen
ansonsten ebenso wie alle anderen frühkindliche Bildung fördern
und Sprachdefizite abbauen.
Hochschulen benötigen „Autonomie“
(was sonst?) und sollen ganz autonom dann auch Studiengebühren
erheben, damit sie sich ihre Studenten aussuchen können wird die
ZVS abgeschafft. Studien-Entgelte werden allerdings ausschließlich
„nachlaufend“ erhoben, statt Bafög gibt es ein „liberales
Bürgergeld“-
Weiterhin wird die Forschung für
sehr wichtig erachtet und hier als Akzent gegen die Grünen eine
Lanze für die „grüne Gentechnik“ gebrochen.
Andererseits betont die FDP „Ökologie ist langfristige
Ökonomie“ gut für die Umwelt ist also was der Wirtschaft
nicht schadet oder ähnlich.
CDU/CSU
Die „Zukunft für Familien –
Bildung und Erziehung“ findet auf einer DIN A5 Seite ihren Platz im
Programm der CDU.
Leider bekommt kommt man außer
der Gemeinplätze „Wohlstand für alle setzt Bildung für
alle voraus“ und „Sprache ist der Schlüssel zur Bildung“
von der CDU lediglich einen Slogan zu Eliten (auch in der Forschung)
und ein deutliches Bekenntnis zum Religionsunterricht zu hören.
Bildungspolitik ist bei der CDU also Sache der Kirchen...
Bleibt als Fazit, je weiter
links eine Partei um so mehr und konkreter wird versprochen, je
weiter rechts um so wolkiger die Bildungspolitik. In der Mitte die
SPD, die über schon getan und längst geplantes hinaus wenig
zu verkünden hat.
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